Recuerdos de la Alhambra

Erinnerungen an Al-Andalus

Das Programm richtet den Blick auf Spanien als Schmelztiegel muslimischer, jüdischer und christlicher Kultur – ein Miteinander, das mit dem Fall Granadas und der Vertreibung der sephardischen Juden mit dem Alhambra-Edikt im Jahr 1492 für immer zerbrach. Doch die verschiedenen Kulturen haben insbesondere Südspanien so nachhaltig geprägt, dass ihre Spuren bis heute zu finden sind.

Die Erinnerung an Al-Andalus, dem einstigen muslimischen Kalifat auf der Iberischen Halbinsel, lebte auch nach dessen Untergang fort: In Balladen, die noch im 16. Jahrhundert von Komponisten immer wieder neu vertont wurden, leben die Geschichten von den Begegnungen und Auseinandersetzungen von Muslimen und Christen fort – lange nach dem Ende der sogenannten reconquista, die das Zusammenleben der Kulturen gewaltsam beendete. Ebenso bewahrten die Lieder der sephardischen Juden in ihrem alten Judeo-Spanisch die Erinnerungen ihrer Gemeinschaft; ihre Melodien aber veränderten sich im Lauf der Diaspora, nahmen neue Farben an und begründeten eine bis heute lebendige Tradition. Ähnlich verhält es sich mit muwaschschahat - andalusischen Gedichten auf Arabisch - die bis heute im arabisch-sprachigen Raum bekannt sind, aber in die Zeit von al-Andalus zurückreichen.

Mit Liedern mit Begeleitung der Vihuela und Gitarre bewegt sich dieses Programm im Spannungsfeld von kollektiver und persönlicher Erinnerung, zwischen europäischer Kunstmusik und traditioneller Musik aus dem Mittelmeerraum und im Dialog dreier Religionen, die bis heute nach Harmonie in ihrem gemeinsamen Ursprung streben.

Die Entwicklung des Programms wurde durch die Projektförderung des Senators für Kultur Bremen sowie die Unterstützung der Deutschen Orchesterstiftung ermöglicht.

A la una yo naci - sephardisches Lied
Aufnahme im Tonstudio Tessmar (Hannover)

Triste estaba el rey David - Alonso Mudarra
Live-Mitschnitt vom 27. August 2026 im Gerhardt-Marcks-Haus (Bremen)

Lisa Solomon - Sopran und Perkussion
Johannes Festerling - Vihuela/Gitarre

Programm:

Luis Milan (ca. 1500-1561)
Fantasia de consonancias y redobles

Diego Pisador (ca. 1510-1557)
La mañana de San Juan

A la una yo nací
El rey de Francia tres hijas tenía


trad. muwaschschah
Lamma Bada Yatathanna

Alonso Mudarra (ca. 1510-1580)
Fantasia que contrahaze la arpa di Ludovico
Triste estaba el rey David

Gregorianisch / Antonio de Cabezon (1510-1566)
Ave maris stella

Luis de Narvaez (ca. 1500-1549)
Paseavase el rey moro

Ya salió de la mar la galana
Por que llorax blanca niña

Luis Milan
Con pavor recordo el moro

trad. muwaschscha
Jadaka al-Ghaithu

La komida la manyana

Das Programm- und Textheft wird mitgebracht

Konzertdauer: ca. 60 min

Lisa Solomon ist eine US-amerikanische Sopranistin mit einem Schwerpunkt in der Alten Musik und einer Leidenschaft für wenig ausgeführte Musik. Nach ihrem Literaturstudium an der Stanford University zog Lisa nach Deutschland, um ein Masterstudium in historischem Gesang an der Hochschule für Künste in Bremen zu absolvieren, gefolgt von einem weiteren Master-Abschluss in mittelalterlicher Musik an der Folkwang Universität der Künste.

Als Solistin greift sie auf ihren literaturwissenschaftlichen Hintergrund zurück, um textzentrierte Aufführungen zu gestalten und einzigartige Konzertprogramme zu entwickeln. Ihre künstlerischen Projekte wurden durch mehrere Stipendien und Förderungen unterstützt, darunter von der Deutschen Orchesterstiftung, was unter anderem zu Auftritten beim Heinrich-Schütz-Musikfest führte. Sie ist Gründungsmitglied und künstlerische Leiterin des Ensembles ONDAS, das sich auf mittelalterliche Musik des 11. bis 15. Jahrhunderts spezialisiert. Außerdem ist sie eine engagierte Lehrerin für Gesang und Aufführungspraxis der Alten Musik. Sie ist regelmäßig als Sängerin und Dozentin beim Amherst Early Music Festival tätig, wo sie seit 2024 gemeinsam mit Benjamin Bagby und Larry Rosenwald die inhaltliche und organisatorische Durchführung der Meisterkurse zur Musik des Mittelalters übernimmt.

Getragen von seiner Faszination für die Musik der Renaissance und des Barock widmet sich Johannes Festerling der reichen Klangwelt historischer Zupf-instrumente.
Nach seinem Gitarrenstudium studierte er zunächst Laute mit Prof. Joachim Held an der Hochschule für Künste Bremen. Ausgezeichnet mit einem zweijährigen Stipendium der italienischen Regierung konnte er seine Ausbildung anschließend am renomierten Conservatorio Santa Cecilia in Rom bei Prof. Evangelina Mascardi fortsetzen.
Als Solist und Continuo-Spieler ist Johannes Festerling regelmäßig mit namhaften Ensembles zu hören. Er gastierte bei bedeutenden Festivals wie dem Festival Oude Muziek in Utrecht, Urbino Musica Antica, dem Heinrich-Schütz Musikfest, den Residenzwochen München sowie dem Festival Stradella di Viterbo e Nepi. Im Jahr 2020 war er Kulturbotschafter für das Land Bremen bei den Feierlichkeiten zum 30. Jubiläum der Deutschen Einheit. Sein Ensemble False Consonance gewann 2024 den Titel “Rheinsberger Hofkapelle” und in der Spielzeit 2024/25 war er Stipendiat der Deutschen Orchesterstiftung im Programm #MusikerZukunft.